Eishockey – Sommertheather 2013 Teil 1: Ligenstrukturen

Es ist nicht lange her, da haben wir noch über eine tolle Reform im Deutschen Eishockey berichtet. Die Oberligen haben sich damals sortiert und ein geregelter Auf- und Abstieg zu der zweiten und vierten Liga wurde festgelegt. Kurz nach Beginn der Finalspiele in der Oberliga vor einigen Wochen (Kassel gegen Bad Nauheim) gab es jedoch eine Ernüchterung: DEB-Oberliga-West-Boss Markus Schweer teilte mit, dass wohl kein Oberligist in die Bundesliga (Aktuell noch vom esbg geführt) geben wird.
Erst vor kurzem wurde bekannt, dass eine DELII gegründet wurde, die die heutige ESBG – Bundesliga ersetzen würde. In der Fachzeitschrift „Eishockey News“ heißt es dort: „Am Donnerstag wurde von Ernst Rupp in Heilbronn die sogenannte DEL II-GmbH offiziell als Zweite Eishockeyliga Betriebsgesellschaft mbH gegründet, der endgültige Bruch mit dem Verband rückt also immer näher...“.
Was heißt das dann genau? Drei Möglichkeiten sieht vinc’s Blog da als Wahrscheinlich:
1. Keine Veränderung
Keine Veränderung heißt: Es ist so, als hätte man nur den Namen der Bundesliga geändert. Die DEL bleibt weiterhin „stur“ und lässt keinen Auf- und Abstieg zu; die Landesverbände behalten ihr Aufstiegsrecht für eine Mannschaft.
2. DEL-Pakt
Die DEL und DELII erhalten Lizenzen und spielen untereinander ihre Profi-Ligen. Soll heißen: Auf- und Abstieg zwischen DEL1 und 2 möglich. Ob der DEB dabei mitspielt ist die andere Frage… Sollte der DEB darauf eingehen, wäre auch ein Auf- und Abstieg von und aus der Oberliga stattfinden.
3. „Wilde-Liga“
Eine wilde Liga bedeutet: Keine Weltverbandszugehörigkeit. Nur der DEB, als Eishockey-Sportbund in Deutschland verfügt über das Recht International anerkannt zu sein. Wenn der DEB die DEL1 und DEL2 nicht akzeptiert, würden die beiden Ligen sozusagen rein für sich spielen. Eine Spielberechtigung gegen andere Teams aus anderen Ligen oder Spielertäusche/ Transfer wäre nicht zulässig. Diese Option scheint unwahrscheinlich, wurde aber schon durch Herrn Harnos vom Deutschen Eishockey Bund angedroht.

Oberliga West – Aktuell

Sie feiern: Das 19.000€-Team aus Ratingen
 schafft den Klassenerhalt.

Aktuell sieht es für die Oberliga West ziemlich düster aus. Der Krefelder EVmeldete sich aufgrund „unwirtschaftlichkeit“ und „Stärkung der Jugend“ aus der Oberliga ab. Dortmund folgte nur eine Woche später, aufgrund eines „zu niedrigen Etats“. Heute gaben sie bekannt mit einer Neugründung als „Eisadler Dortmund“ in der kommenden Saison in der füntklassigen „NRW-Liga“ an den Start zu gehen. Diese Woche meldete auch der Herforder EV, dass sie die Oberliga Saison wohl nicht überstehen würden. Alle drei Teams waren sportlich für die Oberliga qualifiziert und möchten dennoch entweder absteigen, oder das Team auflösen. Für die Kassel Huskies brechen aktuell ebenfalls schwere Zeiten an. Zwar wurde das Hallenproblem um ein Jahr verschoben (für die kommende Saison besteht ein Spielrecht), jedoch gibt es da Probleme unter den Gesellschaftern. Die Ratinger Ice Aliens, die vergangene Saison den geringsten Etat zur Verfügung hatte, will weiterhin in der Oberliga bleiben. Erst gestern wurde man sich mit Trainer Janusz Wilczek über ein Engagement für eine weitere Saison einig. Die Außerirdischen kündigen sich sogar an verstärken zu wollen, obwohl dafür eigentlich keine Mittel zur Verfügung stehen dürften. Die Stadt Ratingen hat immerhin angekündigt bis Januar 2014 die Eissporthalle saniert zu haben und bis dahin Mittel zum Überleben bereitzustellen. Essen, Unna, Duisburg, Frankfurt und der Aufsteiger aus Herne rüsten sich ebenso, wie der Verein mit dem absoluten Minimal-Etat der Grefrather Phoenix für die neue Saison 2013/ 2014.

Am Boden der Tatsachen…

Das wären unterm Strich nur noch neun, statt 12 Teams, die eigentlich gewünscht sind und wären. Sollte Bad Nauheim in keine Insolvenz geraten oder nicht in die zweite Bundesliga aufsteigen dürfen, würden sie die Liga als zehntes Team komplettieren. Sehr unwahrscheinlich übrigens wäre die Teilnahme der Düsseldorfer EG in der kommenden OL-West-Saison. Sie haben sich zwar „zur Sicherheit“ auch für die OLW gemeldet, jedoch ist das reine Vorsichtsmaßnahme. Sollten der DEG nämlich zu Saisonbeginn die noch fehlenden 250 – 500.000€ zur Ligenteilnahme fehlen, könnte sie zur Not in der dritten Liga weitermachen. Sie wären dann das Team Nummer 11.

Die Vision der Fans
Der Wunsch aller Eishockey-Fans ist ein Einziger Verband, dem alle Ligen unterstehen und zwischen denen es einen geregelten Auf- und Abstieg gibt
, also:
1. Liga – 2. Liga Nord/ Süd – Oberligen – Regionalligen – Landesverbände
Jedoch sind sowohl Ligen- und Verbandschefs, so wie Gesellschafter und einige Vereinsbosse dagegen. Die ESBG/ DELII ist zum Großteil bemüht einen Anschluss an die DEL herzustellen. Der DEB will alles unter einen Hut haben, würde mit der DEL als Einziger Außenseiter aber auch zufrieden. Wichtig: Der DEB will eventuelle Geldbringende Vereine (Vereinsabgaben an die Verbände entstehen durch Zuschauerzahlen und „Steuern“ an die Verbände) so gut wie möglich halten. Das wollen alle der drei Gesellschaften. Die DEL will ihre Marktwirtschaft nach dem US-Amerikanischen System alleine bewältigen.

Resumee

Das waren noch bessere Zeiten: 2010 in Krefeld.

Eishockey in Deutschland erlebt seit Jahren einen absoluten Absturz. Bis zum Ende der 90er wurde Eishockey Landes- und Bundesweit auf mehreren Fernsehsendern, wie sat1, dem WDR und sport1 übertragen. In der ausgelaufenen Saison zeigte nur der Free-TV Sender ServusTV alle Top-Spiele und Play-Off-Spiele sogar in HD. Jedoch war die Sonstige Berichterstattung im Vergleich zu den 90er Jahren gering. Auch die Zuschauerzahlen haben meist negative Entwicklungen erleben müssen. Während die Düsseldorfer EG im Jahr 2005 noch einen Zuschauerschnitt von knapp 9.000 vermeldete, waren es in den Jahren darauf nie mehr als 5.000 Zuschauer im Schnitt. Auch Köln musste Einbußen hinnehmen. Im Schnitt sind es aktuell 3.000 Zuschauer weniger, als noch 2006. In den unteren Ligen sind Essen, Duisburg und Ratingen stark betroffen. Bei allen drei hat sich der Zuschauerschnitt in den letzten 5 Jahren halbiert, wobei Duisburg durch die Teilnahme zu den Playoffs den Schnitt noch meist hoch halten konnte. Ratingen hat sogar einen Zuschauerverlust von über 70% erleiden müssen (2005: 1.400; 2006: 1.300; 2010: 900; 2013: 300)…
Sollten die Bosse der DEL sich nicht öffnen, der DEB nicht so Eigenwillig und US-Orientiert bleiben und die alte ESBG, neue DELII sich nicht endlich dem Deutschen Eishockey hingeben, sehe ich schwarz für das Deutsche Eishockey.
Eine Vereinheitlichung, wie bei „Vision der Fans“ würde Eishockey, wenn es richtig gemacht wird, innerhalb von 5 Jahren wieder zur Nummer 2 in Deutschland machen.
Wichtig sind dabei aber nicht nur die Auf- und Abstiegsregelungen, sondern auch das Reduzieren der Anzahl der erlaubten Ausländerlizenzen pro Team und die Spielpläne, die teilweise viel zu voll gestrickt sind (z.B. Doppelrunde). All das muss verändert und die Jugendarbeit weiter gestärkt werden.

In diesem Sinne, einen schönen Sommer!

Vincent Meinert.
(aktuealisiert am: 04.05.2013, 12:17 Uhr)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.